Zum Finanzhaushalt unserer Stadt

Karl-Heinz Dißmann
Die HWZ veröffentlichte am 14. und 21.Oktober 2011 in zwei Folgen den folgenden Artikel
GESPRÄCH: Karl-Heinz Dißmann, Vorsitzender Bürgerblock Bad Honnef, zum Finanzhaushalt unserer Stadt.
Es muss dringend etwas passieren!
Herr Dißmann, wenn man heutzutage die Zeitungen liest oder aktuelle Berichterstattungen im Fernsehen verfolgt, lernt man eine Menge über die finanzielle Situation in Deutschland, Europa und
der Welt. Sagen Sie uns doch bitte, wie es um die Finanzen unserer Stadt steht, ob wir uns Sorgen machen müssen.
Sorgen müssen wir uns eigentlich schon seit vielen Jahren machen. Darum bin ich Ihnen dankbar, dass Sie mir und damit dem Bürgerblock Gelegenheit geben, zum Finanzhaushalt von Bad Honnef aus meiner Sicht Stellung zu nehmen. Der Bürgerblock möchte das vordergründig unspannende, langweilige und zahlendominierte Thema „Haushalt“ dem interessierten Bürger näherbringen.

Der Haushalt ist tiefrot und wird fortlaufend durch Kredite gedeckt. Alt-Kredite können nicht getilgt werden und werden „aufgestockt“. Ursache sind stagnierende Einnahmen bei steigenden Personal- und Sachkosten. Die Maßnahmen zur Kostendeckung greifen nicht – wir sind in 2011 im Nothaushalt

Fast zwei Drittel der verfügbaren Einnahmen werden für Personalausgaben der Verwaltung gebraucht. Alleine die Aufwendungen für Personalkosten in Höhe von 10,3 Mio. Euro verbrauchen ca. 61% der verfügbaren Gesamteinnahmen. Es bleiben lediglich 6,7 Mio. Euro für Sachkosten und Zinsaufwand übrig. Diese betragen aber 13 Mio. Euro.
Es wird davon gesprochen, dass die Ausgaben zum Teil durch Kredite finanziert werden.
Ja das stimmt, die Gesamtausgaben in 2011 werden zu 25% über Kredite finanziert, da nur 17 Mio. Euro Einnahmen zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass jeder 4te Euro der Ausgaben durch Kredite finanziert wird. Im Vergleich dazu: Beim Bundeshaushalt für 2011 liegt die Nettoneuverschuldung bei 16% der Ausgaben.

Aufgrund des andauernden Haushaltslochs werden die Schulden der Stadt Bad Honnef um über 10 Mio. Euro auf rund 73 Mio. Euro ansteigen. Das heißt, laufende Personal- und Sachaufwendungen wurden zum Teil durch Schuldenaufnahme gedeckt. Die zukünftige Handlungsfähigkeit ist somit stark einschränkt.
Die Folge dieser Haushaltspolitik sind Zinszahlungen in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro. Das macht pro Tag 4.200 Euro!
Herr Dißmann, in der letzten Woche haben Sie in unserem Interview „Es muss dringend etwas passieren!“ deutliche Worte zur Situation der Finanzen unserer Stadt gefunden. Das hat sicher viele Bürgerinnen und Bürger zum Nachdenken angeregt. Nun sind wir natürlich sehr gespannt, welche Wege Sie – und damit der Bürgerblock – aus der Krise sehen und empfehlen. Für den normalen Bürger wäre es endlich hier an der Zeit konkrete Einzelmaßnahmen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite zu definieren.

Wie stehen Sie zu dem Thema der Gewinnausschüttung?

Herr Dißmann mit Sicherheit ein schwieriges Thema: Denken Sie, dass die Stadt im Bereich der Personalausgaben zu viel Geld ausgibt?
In der Tat ein sensibles Thema. Die größten Einsparpotenziale sehen wir bei den Personalkosten durch eine gezielte und sinnvolle Ausdünnung der Verwaltungsspitze. Hier ist vorstellbar, dass eine strenge Wiederbesetzungssperre von vakanten Planstellen für mindestens 12 Monate eingeführt wird.

Das Thema der interkommunalen Zusammenarbeit muss intensiviert werden. Eine Überprüfung von Privatisierungen z.B. beim Bauhof, Grünflächenamt, bei Druckaufträgen, Fahr- und Botendiensten bzw. der Fremdvergabe von Leistungen („Outsourcing“) muss nachhaltiger und intensiver vorgenommen werden.

Wir sehen bei den Sachkosten Potenziale durch die Überprüfung der freiwillig übernommenen Aufgaben und der Kann-/Soll-Aufgaben (Kostendeckungsgrad < 30%). Ein weiterer Punkt ist die Überprüfung der kommunalen Versicherungskosten oder die Einführung von gleichen Standards bei Fahrzeugen (Bauhof/Feuerwehr) und deren Beschaffung zur Reduzierung der Sachkosten.
Viele Kommunen haben dieselben Probleme wie Bad Honnef und es gibt viele Beispiele dafür, wie man aus dem Finanzloch herauskommt. Die oben aufgeführten Maßnahmen wurden bereits in anderen Kommunen erfolgreich umgesetzt. Übrigens auch private Wirtschaftsunternehmen arbeiten bei Sanierungen mit denselben Maßnahmen, die ich hier beispielhaft aufgeführt habe, damit das Interview im Rahmen bleibt.
Herr Dißmann, vielen Dank. Sie haben in den vergangenen Wochen und heute für den Bürgerblock die aktuelle Situation deutlich beschrieben und aus Ihrer Sicht Wege aus der Krise unserer Stadtfinanzen aufgezeigt. Haben Sie denn ein gutes Gefühl, dass Sie und die anderen Fraktionen in der Stadt dieses Dilemma in den Griff bekommen werden?
Ich wäre ein schlechter Bürger und erst recht ein schlechter Vorsitzender des Bürgerblocks, wenn ich nicht grundsätzlich positiv in die Zukunft blicken würde. Seien Sie versichert, dass der Bürgerblock sich nach wie vor stark einbringen wird, um die hier deutlich gemachten Vorschläge realisierbar zu machen und in der politischen Diskussion die erforderlichen Mehrheiten für gute Ideen zu gewinnen.
Wir danken Ihnen für das Gespräch
Michael Köjer




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