50 Jahre Bürgerblock

In der HWZ vom 02. September 2011 wurde unter der Überschrift:

JUBILÄUM: Vor 50 Jahren wurde der Bürgerblock gegründet,

der folgende Artikel veröffentlicht:

Urgesteine

“Urgesteine”

Siegfried Westhoven, selbständiger Kaufmann, Hanspeter Palm, Architekt, und Franz Josef Kramer, Obstbauer, gehörten vor 50 Jahren zu den Gründungsmitliedern des Bürgerblocks.

 

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 gab Walter Ulbricht als SED-Parteiführer und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR den Befehl zur Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin. Im Einverständnis mit der Sowjetunion, wenige Tage zuvor in Moskau eingeholt, und mit Rückendeckung der sowjetischen Truppen in der DDR wird das letzte „Schlupfloch“ versperrt, durch das der Parteidiktatur noch zu entkommen ist: Am frühen Morgen des 13. August beginnen bewaffnete Grenzpolizisten mitten in Berlin das Straßenpflaster aufzureißen. Asphaltstücke und Pflastersteine werden zu Barrikaden aufgeschichtet, Betonpfähle eingerammt und Stacheldrahtverhaue gezogen. Wenige Tage später, in der Nacht vom 17. zum 18. August, beginnen Bautrupps, den Stacheldraht durch eine Mauer aus Hohlblocksteinen zu ersetzen. Am 24. August 1961 wird der erste Flüchtling, der 24jährige Schneider Günter Litfin, von DDR-Grenzwächtern bei einem Fluchtversuch von Ost- nach West-Berlin erschossen.

Die Mauer zementierte die politische Spaltung Deutschlands und Europas; sie wurde weltweit zum Symbol für den Kalten Krieg, der die Welt politisch in eine östliche und eine westliche Hemisphäre spaltete – und zum Symbol für den Bankrott einer Diktatur, die ihre Existenz nur durch die Einmauerung der Bevölkerung zu sichern vermochte. Das ist in die Geschichtsbücher eingegangen. Vor 50 Jahren befand sich die Welt im Umbruch. Konrad Adenauer verlor mit seiner CDU die absolute Mehrheit, 10 Millionen Vertriebene mussten integriert werden, der Staat ließ die Kommunen mit ihren Problemen alleine. Die Politikverdrossenheit wuchs.

Durch ein Urteil des Bundesgerichtshof wurden freien Wählergemeinschaften die gleichen Rechte eingeräumt wie den politischen Parteien. In vielen Gemeinden entstanden Bürgerinitiativen oder Bürgerblocks. In Bad Honnef war die CDU durch parteiinterne Auseinandersetzungen geschwächt. Da schlug die Stunde des Honnefer Bürgerblocks.

Sechs Wochen nach der Gründung erreichte der Bürgerblock bei der Kommunalwahl knapp 20 Prozent der Wählerstimmen. Die Wählergemeinschaft hatte sich mit sachbezogenen Themen abseits von ideologisch-politischen Zwängen schnell, sehr viele Freunde gemacht.

In einem HWZ-Gespräch erklären die Gründungsmitglieder Siegfried Westhoven, selbstständiger Kaufmann, Hanspeter Palm, Architekt und Hermann Josef Kramer, Obstbauer, warum das so war. Eben ganz einfach: „Auf kommunaler Ebene braucht man keine Politik sondern gesunden Menschenverstand“. In Bad Honnef hatte die CDU die absolute Mehrheit, eine SPD gab es noch nicht, dafür aber noch die KPD.

„Wir waren jung, wir wollten etwas bewegen, in unseren Augen bremsten die alten Männer in den Parteien den Fortschritt. Ein Generationswechsel war angesagt“. Und es gab eine Menge Aufgaben: Es fehlten Schulräume und Wohnungen, eine Kläranlage und ein Gymnasium mussten gebaut werden, und, „wir mussten alle Oberleitungen unter die Erde bringen. Auf der to-do-Liste standen die Erschließung des Selhofer Feldes und die Erschließung Aegidienbergs.

Ohne Richtungsstreit aber mit großen Sachzwängen fanden die ersten Bürgerblockler zusammen“. Neben dem Kaufmann, dem Architekten oder dem Obstbauer waren das Wirtschaftsberater, Maler, Handelsvertreter, Gärtner und Bankangestellte. „Allesamt bodenständige Menschen mit großem Sachverstand“.

Karl-Heinz Dißmann

Heutiger Bürgerblock-Chef: Karl-Heinz Dißmann

Schon im Gründungsjahr wurde Siegfried Westhoven, der Bürgerblock-Vorsitzende, Vize-Bürgermeister. Bad Honnef wurde in den vergangenen 50 Jahren von zwei wesentlichen Ereignissen geprägt. Einmal durch die Schließung der Kurkliniken und durch die Einbindung von Aegidienberg in die Stadt. Bad Honnef im Wandel. Die neue Orientierung lag auf der Verstärkung der heimischen Wirtschaft mit Handel, Dienstleistung und Gewerbe. Gewerbegebiete mussten geschaffen werden: Aegidienberg 1, Aegidienberg 2 und Honnef Süd.

 

Der dadurch gewonnene Gewerbesteuerzufluss konnte die Einnahmenstruktur der Stadt nachhaltig verstärken. Westhoven: „Rückblickend können alle Beteiligten auf das Geleistete stolz sein. Ein Beispiel: Mit dem Ausbau des Saynschen Hofs als Umgehungsstraße gelang es gegen heftigen Widerstand, die Fußgängerzone einzurichten und den quälenden Lastverkehr aus der zentralen Hauptstraße herauszubekommen“. Konsequent und pfiffig sind die jungen Herren damals vorgegangen. Und sie konnten Synergien nutzen. Mit Schützenvereinen, Kegelvereinen oder Sportvereinen.

„Die Zeit war auf unserer Seite. Alle Mitglieder hatten gute Positionen oder gut gehende Geschäfte“. Und alle hatten ein Ohr am Puls der Stadt. So setzte sich der Bürgerblock für den Erhalt des Krankenhauses ein, für die Restaurierung des Kurhauses oder für den raschen Ausbau der Schul- und Sportstätten.

„Wir sind unserer Stadt im Rahmen unserer Einflussmöglichkeiten nicht viel schuldig geblieben“, blicken Westhoven, Kramer und Palm zurück auf eine wichtige Zeitspange. Eben 50 Jahre Bürgerblock in Bad Honnef. Das Jubiläum wird im kommenden November im Weinhaus Steinbach gefeiert. Dort fanden unter anderen auch die Gespräche über die Gründung der Wählergemeinschaft statt.

Artikel und Bilder aus der Die Bad Honnerfer Wochenzeitung

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